Joane (3. Ausbildungsjahr)

Praxisanleitungen während der Ausbildung!

Es ist 04:45 Uhr und der Wecker klingelt. Ich schalte auf snooze und drehe mich noch einmal um. Es ist ja noch nachts und ich mag es einfach nicht, früh aufzustehen. Daran kann ich mich auch wirklich nicht gewöhnen. Aber ein langes Schlummern ist nicht drin. Um spätestens (und auch meistens) Viertel nach fünf muss ich aufstehen. Schnell Zähne putzen, ein bisschen Schminken, damit man die Müdigkeit nicht so sieht und ab aufs Rad. 20 min brauche ich zur Arbeit, 10 min um mich umzuziehen. Um kurz vor 6 komme ich auf der Station, auf der ich für die nächsten 8 Wochen eingesetzt bin, an. Es ist eine chirurgische Station.

Gefühlt habe ich in letzter Zeit ein bis zwei Mal die Woche Praxisanleitung. Das bedeutet, dass eine zusätzlich ausgebildete Schwester oder die Vollzeitpraxisanleiterin mich einen halben Dienst begleitet und mir über die Schultern schaut, bei dem was ich schon kann oder vielleicht noch üben muss. Benotet wird das Ganze auch am Schluss.

Zwei Mitschülerinnen teilen heute das selbe Los mit mir.

Ich setze mich also gemeinsam mit einer Mitschülerin aus meinem Kurs und einem Mädchen aus dem Kurs unter uns in die Stationsküche und wir warten darauf, dass die Praxisanleiterin ihre Übergabe bekommen hat und diese an uns weitergibt. Solange wir warten, reden wir nicht besonders viel. Wir alle sind müde und ich habe zusätzlich Muskelkater vom Lauftreff der Krankenpflegeschule am vorigen Tag.

8 km sind einige Mitschüler, die sportbegeisterten Lehrer und ich gelaufen. Die merke ich jetzt in den Beinen.
Im dritten Lehrjahr lernen wir, eigenständig zu arbeiten und die Schüler aus den unteren Kursen anzuleiten. Also übernehmen wir heute eine Seite. Das bedeutet 6 Patientenzimmer. Meine Mitschülerin und ich sprechen uns ab, wer sich um welches Zimmer kümmert und welche Aufgaben die dritte Schülerin aus dem 1. Kurs übernehmen kann.

Wir messen morgens die Vitalzeichen, unterstützen die Patienten bei der Körperpflege am Waschbecken oder im Bett, bereiten andere Patienten auf ihre heute anstehenden Operationen vor und verteilen Medikamente sowie anschließend das Frühstück. Kurze Pause für die Füße.

Wir besprechen weitere Aufgaben, bereiten uns darauf vor und ziehen anschließend wieder los.
Ich spüle eine Wunde und wechsele den Verband, anschließend unterstütze ich einen Patienten dabei, seinen neuen künstlichen Darmausgang zu versorgen und den dazugehörigen Beutel zu wechseln. Meine Kurskollegin leitet die dritte Mitschülerin an, einen Verband zu wechseln und einen venösen Zugang zu ziehen.

Anschließend dokumentieren wir alles in dem neuen Pflegedokumentationssystem am PC und berichten den anderen Kolleginnen auf Station, was wir getan haben und wie es den Patienten geht.

Das war der anstrengendste Teil des heutigen Tages. Lief doch eigentlich ganz gut. Wir gehen gemeinsam frühstücken und anschließend rüber in unsere kleine Krankenpflegeschule. Hier reflektieren wir die heutige Praxisanleitung - erst wir, dann die Praxisanleiterin. Wir scheinen uns ganz gut geschlagen zu haben. Wir und unsere Anleiterin sind zufrieden.
Nun haben wir noch circa 2,5 Stunden Zeit. Wir schreiben eine fiktive Pflegeplanung, um für das Examen zu üben oder arbeiten schriftliche Praxisaufträge aus. Hierbei geht es um die Übertragung theoretisch gelernter Unterrichtsinhalte auf den praktischen Alltag auf Station. Ich arbeite gerade an dem Auftrag über künstliche Darmausgänge. Um den Auftrag abzuschließen, erzähle ich der Praxisanleiterin, was ich theoretisch über das Thema gelernt habe und wie ich in der Praxis mein Wissen anwenden konnte.